KKS Nordstemmen 1 schießt demnächst in der 2. Bundesliga

Aber so hatte man sich den Abschied aus der Königsklasse der Luftgewehrschützen nicht vorgestellt

Bericht von Klaus Schaare
Fotos von Arno Brinkman und Klaus Schaare

Die Vorkämpfe der Bundesliga Nord Luftgewehr sind beendet. Die Finalisten stehen nun fest. Und was der Veranstalter, der Deutsche Schützenbund, seit Jahren nicht auf die Reihe kriegt, zeigte in beeindruckender Weise am Wochenende 13./14. Januar 2018 der Ausrichter der Veranstaltung, die Schießsportgemeinschaft Kevelaer. Der rührige Verein hatte die Initiative ergriffen und sorgte für eine professionelle Livestream-Übertragung der Bundesligawettkämpfe bei sportdeutschland.tv im Fernsehformat (unbedingt mal reinklicken). Für die Moderation bei diesem Event stand u.a. mit Ulli Podofski (ehemals Sportreporter bei RTL) ebenfalls ein Profi am Mikrofon, der zahlreiche launige Interviews mit den Athletinnen und Athleten führte, die hochkarätigen Wettkämpfe kommentierte und beim sachkundigen Publikum im vollbesetzten Sportzentrum Kevelaer-Hüls für Stimmung sorgte. Fachliche Unterstützung hatte er dabei durch den mehrfachen Olympiateilnehmer Maik Eckhard. Zuschauer und Veranstalter waren‘s zufrieden, besonders die SSG Kevelaer. Sie konnte ihren vierten Platz erfolgreich verteidigen und hat damit die Fahrkarte zu den Playoffs Anfang Februar beim St. Hubertus Elsen in Paderborn gelöst.Weniger glücklich die KKS Nordstemmen, die sich mit einer stark geschwächten Mannschaft dem Kevelaer Team stellen musste. Nordstemmens stärkste Schützinnen, Nadine Gudert und Bianca Glinke, fehlten. Somit stand auf der Spitzenposition für die KKS jetzt Stine Andersen, die Jana Erstfeld knapp unterlag (393:394). Chancenlos blieb Andrea Heitmann auf Startplatz zwei gegen Alexander Thomas. Der Mann mit den feuerroten Haaren bezwang die Nordstemmerin klar mit 397:385. Auch David Kroll musste sich Pea Smeets mit 391:394 beugen. Erstmalig in der 1. Bundesliga kam der gebürtige Nordstemmer Jan Lampe zum Einsatz. Der brachte zwar einige Jahre Erfahrung aus der zweiten Liga mit, das reichte aber nicht aus für Katrin Leuschen, die sich mit 392:380 deutlich außer Reichweite des Debütanten bewegte. Der Ehrentreffer für die KKS gelang dann letztendlich Lea Schäfer im Shoot off gegen Katharina Kösters. Beide Schützinnen hatten ihren Wettkamf mit 382 Zählern abgeschlossen und wurden zum Stechschießen wieder an die Feuerlinie gerufen. Erst der vierte Schuss brachte die Entscheidung. Lea Schäfer schoss eine Zehn, Katharina Kösters eine Acht. Kevelar gewann das Duell gegen die KKS mit 4:1 Punkten.

Im letzten Wettkampf der Saison 2017/18 traf die KKS Nordstemmen auf den amtierenden Liga-Meister St. Hubertus Elsen. Seit Jahren steht der Niederländer Peter Hellenbrand bei den Paderbornern unter Vertrag und wird in der Setzliste auf Rang eins geführt. Gegen ihn musste Stine Andersen antreten. Kein Problem für die gebürtige Dänin, man kennt sich gut. Das Match endete vorerst 395:395 unentschieden. Später dazu mehr. Andrea Heitmann hatte Julian Justus zum Gegner. Ein Ästhet unter den Sportschützen, der durch Präzision und seine perfekte Körperhaltung beim Schießen auffällt. Der Olympionike schoss viermal 99 Ringe und ließ die Nordstemmerin mit 388 Zählern klar hinter sich. Das wurde allseits klaglos zur Kenntnis genommen, denn Andrea Heitmann hatte tapfer gekämpft, und so kann man auch ihr eine „bella figura“ bescheinigen.

David Kroll konnte sein gutes Ergebnis vom Vortag (391) gegen Nadine Hochgeschurz nicht wiederholen und musste sich mit 386:391 geschlagen geben. Jan Lampe lieferte diesmal saubere 389 Ringe ab, dennoch reichte auch das nicht aus gegen Denise Palberg (393). Bei Lea Schäfer sah nach drei guten Zehnerserien alles nach einem klaren Sieg gegen Amelie Kleimanns aus. In der vierten Serie passierte ein Malheur. Ein Schuss von Lea Schäfer traf nicht den Scheibenspiegel, und trotzdem gab es mit 382 Zählern für beide Schützinnen einen Gleichstand. Umgehend wurden sie zum Shoot off wieder vor die Scheiben gerufen, wo erst der vierte Stechschuss die Entscheidung brachte. Amelie Kleimanns traf die Zehn, Lea Schäfers Schuss ging in den Achterbereich. Ein letztes Shoot off stand noch aus:  Stine Andersen gegen Peter Hellenbrand (beide 395). Die Zuschauer freuten sich. Hellenbrand legte vor und traf zu seinem Entsetzen eine Acht. Stine Andersen wollte dieses Geschenk wohl nicht annehmen und schoss ebenfalls in den Achterring. Der zweite Stechschuss brachte der KKS Nordstemmen dann eine 5:0-Niederlage bei. Hellenbrand hatte eine Zehn geschossen, Stine Andersen nochmals die Acht.

Damit rutschte die KKS Nordstemmen auf den vorletzten Tabellenplatz ab und muss automatisch in die 2. Bundesliga absteigen. Komisch ist, eigentlich wollte man da ja auch hin. Aber so ganz bestimmt nicht.

Die Bundesligisten der KKS Nordstemmen verabschieden sich nach elf turbulenten Jahren in die 2. Liga. Rückkehr nicht ausgeschlossen. Von links: Teamchef Frank Pohl, Jan Lampe, Lea Schäfer, Stine Andersen, Andrea Heitmann und David Kroll. Es fehlen Bianca Glinke und Nadine Gudert. Foto: Schaare

Freude pur bei Sergey Richter von der SSG Kevelaer über perfekte 400 Ringe. Foto: Brinkman

Gegen den Mann mit den feuerroten Haaren, Alexander Thomas von der SSG Kevelaer, hatte Andrea Heitmann keine Chance. Das Match endete 385:397 aus Sicht der Nordstemmerin. Foto: Schaare

Jede Hunderterserie wurde in der ausverkauften Sporthalle vom Publikum ausgiebig bejubelt. Foto: Brinkman