Henrik Borchers hört auf

Und er zieht das durch, wie bei ihm üblich, bis zur letzten Konsequenz. So hat er sich nicht nur aus der Bundesliga abgemeldet, sondern gibt auch das Sportschießen mit allem Drum und Dran auf. Mit dem Verkauf seiner umfangreichen Ausrüstung hat er schon begonnen. Nicht zu fassen bei einem Mann, der diesen Sport geliebt und gelebt hat wie kein Zweiter. Am zurückliegenden Wochenende hat er nach eigener Aussage bei den Bundesliga-Heimwettkämpfen in Nordstemmen zum letzten Mal vor den Scheiben gestanden.

Borchers ist ein waschechter Nordstemmer. Er wurde hier geboren, hat unterhalb der Marienburg seine Kindheit verbracht, geheiratet, und wohnt auch heute noch dort, zusammen mit seiner Frau Meriam und seiner kleinen Tochter Lotta.

Zum Sportschießen kam der heute 33jährige durch seine Eltern, selbst begeisterte Sportschützen, die ihren Sprössling förderten, wo immer sie konnten. Zum Schießtraining anhalten brauchten sie ihren Junior nie. „Der hätte am liebsten auch noch am Heiligabend trainiert“, erklärt seine Mutter lachend, die übrigens hin und wieder auch als Sparringspartnerin herhalten musste. Gabi Borchers ist eine gute Auflageschützin, ihr Sohn schießt freihand. Manchmal hat sie die familieninternen Duelle sogar gewonnen. Eine Selbstverständlichkeit war es auch, dass sein inzwischen verstorbener Vater Heinz Borchers bei den Bundesligawettkämpfen stets mit dabei war. Aus seinem Erfahrungsschatz konnte er seinem Sohn in schwierigen Situationen manch hilfreichen Tipp geben.

Seit seinem siebzehnten Lebensjahr ist Henrik Borchers Vereinsmitglied in der KKS Nordstemmen. Unzählige Male hat er in dieser Zeit für seinen Verein auf diversen Siegerpodesten gestanden. Für ihn selbst dürfte aus dem Jahre 2011 der Deutsche Meistertitel im 100-m-Schießen in Mannschafts- und Einzelwertung ganz oben auf der Liste stehen. Aber mit noch mehr Stolz erfüllt ihn womöglich die Bronzemedaille im Bundesligafinale der Luftgewehrschützen in Paderborn im gleichen Jahr.

Anfang Februar 2017 sind die zwanzigsten Play-offs der Luftgewehr-Bundesliga wieder in Paderborn. Ohne die KKS Nordstemmen und Henrik Borchers. Vielleicht hat auch das seine Entscheidung mit beeinflusst. Seine Mannschaft jedenfalls wird ihre zuverlässige „Nummer drei“ vermutlich noch so manches Mal arg vermissen. Die kleine Lotta aber freut sich sicher. Ihr Papa wird jetzt mehr Zeit für sie haben.

Wilfred Lampe, Vorsitzender der KKS Nordstemmen, bedankte sich bei Henrik Borchers für zehn Jahre beispiellosen Einsatz in der 1. Bundesliga Luftgewehr und überreichte zum Abschied ein Präsent. Es sei etwas Sinnvolles zur Freizeitgestaltung, erklärte er lächelnd. Auch Anja Korf, Katharina Hottenrott, Wolfgang Jamroz und Bernd Räbiger wurden für ihren Einsatz mit kleinen Geschenken bedacht. Foto: Schaare

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